Heinz Brinkmann – Regisseur

Rubrik: Historische Dokumentationen





2007: Denkmal - Landschaft Peenemünde
Bomben auf Usedom



Die Operation "Hydra" richtete sich gegen die geheime deutsche Waffenschmiede in Peenemünde, gegen das erste kompakte militärische
Großforschungsareal der Weltgeschichte.
Dokumentarisches Filmmaterial, darunter auch bislang unbekannte Aufnahmen, zeigt die Entwicklungen an dem A4,
der später V2 genannten Rakete und deren erfolgreichen Start am 3.10.1942 ins Weltall. Die geplante Serienfertigung,
die Forschungen und die Tests mit der V1 und anderen Flugkörpern in Peenemünde West sind Vorgeschichte für den Angriff
der englischen und der amerikanischen Luftwaffe auf Usedom.
Viele Baureste des ersten großtechnischen Forschungsareals der Weltgeschichte, aber auch die Stätten des Todes
um Peenemünde sind jetzt als Momente der einmaligen Denkmal - Landschaft den Touristen und Interessenten
zugänglich gemacht worden.
Der Film gibt eine Einführung in die Geschichte der Denkmal - Landschaft und lässt unterschiedliche Zeitzeugen mit
ihren persönlichen Erinnerungen zu Wort kommen.




2006: Die Wartburgstory. Vom Traumauto zum Kultauto



Eisenach 1955. Hinter verschlossenen Türen und streng geheim entwickelten die Thüringer Autobauer das erste Automobil der DDR, das sich mit Modellen aus dem Westen messen konnte – der Wartburg. Der Film rekonstruiert ein besonderes Stück Wirtschaftsgeschichte der DDR. Dabei werden die Erfolge und Niederlagen der Eisenacher Autobauer vor dem Hintergrund der staatlich gelenkten Wirtschaft thematisiert.
Der erste Wartburg war eine „Schwarzentwicklung“ – eine Entwicklung ohne den Segen der Partei- und Staatsführung, eine Entwicklung vielleicht nur für den Reißwolf.
Doch dann kam die Chance für die Eisenacher Ingenieure und Techniker. Spontan machte sich Werksleiter Martin Zimmermann mit dem gerade fertig gestellten Musterfahrzeug auf den Weg zum Berliner Ministerium für Maschinenbau. Doch der zuständige Minister war nicht anwesend. Zimmermann beschloss, direkt das ZK der SED mit der Eisenacher Entwicklung zu konfrontieren. Staunend standen die Genossen vor dem auf Hochglanz polierten viertürigen Fahrzeugtyp „EMW 311“, dem ersten Wartburg. Diese überraschende „Offerte der Arbeiterklasse“ konnte sich die Partei, trotz des Vergehens gegen die Planaufgaben, nicht verweigern. Der Bau des neuen Fahrzeugs wurde genehmigt – über Zimmermann jedoch eine Disziplinarstrafe verhängt.
Zur Leipziger Frühjahrsmesse 1956 war es so weit: die erste Präsentation vor nationalem und internationalem Publikum. Die Wartburg-311-Modelle erregten großes Aufsehen. Das Wartburg Sportcoupé wurde bald auf dem Berliner Kudamm ebenso wie auf dem Genfer Automobilsalon 1958 bestaunt. Fotos und Filme zeigten den Wartburg vor der Skyline New Yorks, vor der Akropolis, im finnischen Lappland oder vor den ägyptischen Pyramiden. Die im Export erzielten Devisen waren der DDR-Staatsmacht willkommen. Die Weiterentwicklungen der Eisenacher gingen den Machthabern jedoch allzu sehr in Richtung eines westlichen Standards. Für die Genossen im ZK Grund genug, die Wartburg-Macher auszubremsen. Erst 1988 erhielt der Wartburg nach schier endlosen Diskussionen serienmäßig einen VW-Viertaktmotor. Doch es war zu spät. Am 10. April 1991 verließ das letzte Fahrzeug, der 1.837.708. Wartburg, vor den Augen der trauernden Belegschaft und vor laufenden Kameras das Band.
Zeitzeugen aus Entwicklung und Produktion des Eisenacher Werkes kommen in diesem Film ebenso zu Wort wie Mitglieder des Politbüros und damalige und heutige Fans des zum Kultmobil avancierten DDR-Autos.




2005: Operation Revival





Wenn amerikanische und britische Bomber während des Zweiten Weltkrieges ihre Angriffsziele in Mecklenburg,Berlin oder Stettin ansteuerten, dann flogen sie häufig durch den 'Korridor' - von der Ostsee kommend über die vorpommersche Stadt Barth.
Hier waren nur kleine deutsche Luftabwehrstellungen zu erwarten, auch die alliierten Flieger hielten sich auffällig zurück mit ihren Angriffen. Denn: Am Stadtrand von Barth saßen etwa 9.000 alliierte Fliegeroffiziere in einem Gefangenenlager fest. Sie waren mit ihren Maschinenbei Einsätzen über deutschen Gebieten abgeschossen worden.
Nach zähen Verhandlungen ließ Stalin die Barther Gefangenen ziehen.
Es begann eine der Spektakulärsten Luftbrücken von 1945 -die 'Operation Revival'.




1997: Akt(e) Peenemünde





Peenemünde ist ein magischer Ort. Jährlich besuchen ihn bis zu 300 000 Touristen. Über 60 Jahre war er von Militärs besetzt, ein Sperrgebiet, um das immer noch Legenden wuchern.
Spätestens 1969 wurde Peenemünde weltbekannt – durch Wernher von Braun. Er sagte anläßlich der geglückten bemannten amerikanischen Mondlandung: "In Peenemünde hat alles angefangen."
1990 gründeten die dort ansässigen NVA-Offiziere auf dem Gelände der ehemaligen Heeresversuchsanstalt ein Museum. Wenig später wurde der 50. Jahrestag des ersten geglückten Starts einer A4-Rakete in den Weltraum begangen, was zu einem internationalen Eklat führte. Erst durch dieses Ereignis schien die Ambivalenz dieses Ortes der Öffentlichkeit bewusster zu werden.
Wie gelingt eine deutsche Geschichtsaufbereitung an dieser historisch einmaligen Stätte? Zeitzeugen erinnern sich. Geschichte und Utopien, Schrecken, Liebe und Tod. Einwohner, Besucher und Museumsfachleute dokumentieren darüberhinaus die Kompliziertheit einer solchen Auseinandersetzung.
Peenemünde, ein vorpommersches Dorf im strukturschwächsten Gebiet Deutschlands, in dem grassierende Arbeitslosigkeit jeden gewinnträchtigen Ansatz denkbar werden lässt.




1995: Horno und Anderswo





Frühjahr 1995.
Deutschlands wichtigste Braunkohlenreviere befinden sich an seinen Rändern.
Im Osten wie im Westen sollen Dörfer von der Landkarte verschwinden. Die Bagger fordern ihren Tribut.
Das kleine Dorf Horno im südlichen Brandenburg und mehrere Orte in der Erkelenzer Böde am Niederrhein sind betroffen.
Eine der Kardinalfragen des nächsten Jahrtausends, welchen Weg nimmt die Energiepolitik, wie dringt sie in den Alltag der Bürger ein.
Während der Widerstand gegen den Tagebau Garzweiler II den Ministerpräsidenten Johannes Rau die absolute Mehrheit kostet,
erringt die Gemeinde Horno einen Etappensieg vor dem Brandenburgischen Verfassungsgericht gegen seine Abbaggerung.
Vertreter aller an den Auseinandersetzungen beteiligten Gruppen kommen zu Wort und immer wichtiger wird die Frage:
wie mißt man den Wert von Heimat?




1993: Guten Tag, wie geht es Ihnen?
Eine vorläufige Bilanz zum 3. Oktober 1993 mit Günter Gaus.



Ein Gespräch zwischen Günter Gaus und der DDR-Bürgerrechtlerin und späteren Bundestagsabgeordneten des Bündnis 90/Grüne, Ingrid Köppe, über die Situation in Deutschland drei Jahre nach der Wiedervereinigung. Zwischendurch verlässt der Film immer wieder das Gespräch und zeigt Alltagsbilder des Ostens: Straßen, Häuser, Kneipen und vor allem Menschen.





1991: Waldschlößchen



DFF-Reihe "Das Fenster"
Doku über einen wiederentdeckten Atombunker





Bilder, die sich gegenüberstehen: Das Innere eines Atombunkers im Bezirk Schwerin – Gänge, Überlebenstechnik, Kommandoraum, Schlafsaal, Küche, Waschraum, Nachrichtentechnik ..., an den Wänden Bilder siegreicher Sportlerinnen, Wunschbilder von Erotk in einer muffigen Gruft. "Das Leben war hart", meint der Bunkerkommandandt. "Wir erfüllen eine militärische Aufgabe", ergänzt der Leiter für Mobilmachung Oberst Schulz.
Bilder eines Propagandafilms: Walter Ulbricht besucht Schwerin kurz nach dem Mauerbau, der Wohnungsbau, Paraden, Feste ..., sogenannte Szenen des Glücks, Wunschbilder des Lebens über der Erde. Pastor Radke von der Bürgerbewegung hatte nur sein "Gottvertrauen", der Militärstaatsanwalt wenigstens eine Pistole, als der Bunker enttarnt wurde. Die Überwindung der Angst ließ alles zusammenbrechen. Angst hat jetzt der Bunkerkommandant, der als gelernter Mauerer das "Waldschlößchen" errichtete. Jetzt möchte er Häuser bauen. Die beiden Herren vom ehemaligen MfS gehen durch den Wald und es erklingt ein Kampflied, gewidmet einem Jahrestag der Republik. Die Ästhetik der Macht.




1990: Vorwärts und zurück


Dokumentar-Kurzfilm

Anfang Januar 1990. Reisende fahren nach Öffnung der Grenze der DDR in die BRD. Archivaufnahmen von Politikern
und Zeitvorgängen der DDR-Geschichte kommentieren auf eigene Weise die Momentaufnahmen und Äußerungen im
fahrenden Zug. Am Schluss steht ein Filmzitat aus einem DEFA-Film von 1948 mit dem ehemals sehr populären
Eisenbahnerlied.

Links


DEFA-Stiftung:
http://www.defa-stiftung.de/DesktopDefault.aspx?TabID=412&FilmID=Q6UJ9A005BZ4